Wenn die Zahnzahl oder der Biss nicht stimmen: Ein Leitfaden zu Kiefer und Zähnen
Unterschiedliche Zahnzahlen: Wenn die Natur variiert
Ein perfektes Gebiss sieht für jeden Menschen anders aus. Es ist völlig normal, dass die Anzahl der Zähne von Person zu Person variiert. Dabei unterscheiden wir in der Zahnmedizin primär zwischen zwei Zuständen: der Zahnunterzahl und der Zahnüberzahl.
Die Zahnunterzahl (Hypodontie)
Es ist weitaus häufiger, dass Zähne fehlen, als dass zu viele vorhanden sind. Etwa jeder dritte Erwachsene ist von einer sogenannten Hypodontie betroffen. Meist handelt es sich dabei um einzelne Zähne, die gar nicht erst angelegt wurden. Während das Fehlen der Weisheitszähne sehr verbreitet ist, betrifft es seltener die Schneidezähne oder die Backenzähne. Wichtig zu unterscheiden ist hierbei die Nichtanlage von Zähnen, die zwar im Kiefer vorhanden sind, aber nicht durchbrechen – man spricht hier von sogenannten retinierten Zähnen.
Die Zahnüberzahl (Hyperdontie)
Ein Übermaß an Zähnen ist deutlich seltener; nur etwa jeder fünfzigste Erwachsene weist eine Hyperdontie auf. Diese tritt statistisch gesehen häufiger bei jungen Männern auf und wird oft erst im Rahmen einer kieferorthopädischen Untersuchung entdeckt. Häufig handelt es sich um kleine, rundliche Zahnformen, wie den sogenannten Zapfenzahn (Mesiodens) im Oberkiefer oder einen zusätzlichen Weisheitszahn (Distomolar).
Strukturelle Besonderheiten des Zahnschmelzes
Neben der Anzahl der Zähne kann auch die Beschaffenheit des Zahnschmelzes variieren. Ursachen hierfür können genetisch bedingt sein oder durch Umwelteinflüsse entstehen. Wenn der Zahnschmelz unvollständig ausgeprägt ist, spricht man von einer Hypoplasie. Liegt lediglich eine Störung in der Reifung oder der Verkalkung vor, ist der Schmelz zwar vorhanden, aber nicht ausreichend gehärtet.
Wann ist eine Behandlung sinnvoll?
Die Entscheidung über eine Therapie hängt stark von der individuellen Situation ab:
- Fehlende Zähne: Wenn nur ein einzelner Weisheitszahn fehlt, besteht meist kein Handlungsbedarf. Fehlen jedoch wichtige Eck- oder Backenzähne, können Implantate eine Lösung sein, sofern der Kieferknochen ausreichend stabil ist. Gegebenenfalls ist ein vorheriger Knochenaufbau notwendig. Manchmal halten auch Milchzähne über Jahrzehnte an der Stelle des fehlenden Nachfolgers, sofern eine gute Mundhygiene gewährleistet ist.
- Überzählige Zähne: Da diese oft keinen Platz im Kiefer finden und die Ausrichtung der anderen Zähne gefährden könnten, werden sie meist entfernt.
- Schutzmaßnahmen: Bei Fehlbildungen der Zahnstruktur können Kronen oder Veneers helfen, den Zahn vor vorzeitigem Verschleiß zu schützen.
Kauschmerz: Wenn das Gebiss nicht harmonisch greift
Schmerzen beim Kauen sind ein ernstzunehmendes Signal des Körpers. Oft liegt die Ursache in einer fehlerhaften Okklusion – das bedeutet, die Zähne greifen nicht perfekt ineinander. Diese einseitige oder ungleichmäßige Belastung kann langfristig zu Schmerzen führen. Auch zu hohe Füllungen oder Kronen können solche Beschwerden auslösen.
Man unterscheidet zudem:
- Kauschmerz: Tritt primär bei Belastung auf.
- Ruheschmerz: Ein Schmerz, der auch ohne Kauen auftritt, was oft auf chronischere, bereits länger bestehende Probleme hindeutet.
Akute Entzündungen, etwa an der Wurzel oder dem Zahnnerv, können ebenfalls Kauschmerzen verursachen. Bei älteren Patienten sollten zudem auch die Kiefergelenksarthrose oder andere systemische Ursachen in Betracht gezogen werden. In der Regel wird ein Zahnarzt zunächst nach akuten Entzündungen suchen und anschließend die Kaumuskulatur sowie den Biss mittels Abdrücken untersuchen.
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